Vermeulen, Frans - Synoptische Materia Medica 2
VORWORT ZUR DEUTSCHEN AUSGABE
Die deutsche Übersetzung der Synoptischen Materia Medica 2 entspricht der zweiten englischen Auflage. Dieses Buch ist um etwa sechzig Seiten umfangreicher als die erste Auflage. Die ergänzenden Informationen stammen aus verschiedenen Quellen. Neben jüngsten Auflagen homöopathischer Fachzeitschriften wurden spätere Auflagen neuer Arzneimittelprüfungen berücksichtigt. Die ZEICHEN-Absätze wurden durch Material aus Büchern zu Themen der Botanik, Heilkräuterkunde und Volkstum bereichert, die ich kürzlich entdeckt habe, was die Verständnismöglichkeiten des homöopathischen Arzneimittelbildes erweitern soll. Hier und da habe ich auf ‘Blütenessenzen’ hingewiesen. Interessant ist die auffallende Zunahme der Veröffentlichungen zum Thema der Heilkräfte und ‘Weisheit’ der Bäume. Ich habe von diesen Informationen Gebrauch gemacht, wo es angemessen erschien.
Für die Zusätze der Abschnitte LEITSYMPTOME und RUBRIKEN habe ich zu sämtlichen in Frage kommenden Arzneimitteln Allens Enzyklopädie der Reinen Materia Medica durchgesehen. Dieses zwölfbändige Werk enthält Prüfungssymptome und Vergiftungssymptome. Es liefert zahlreiche interessante Ergänzungen. Bei der Überarbeitung des REPERTORIUM-Teils der ersten Auflage der Synoptischen Materia Medica 2 wurden einige Fehler korrigiert bzw. Erklärungen angefügt. Bei der Vorbereitung der zweiten Auflage hatte ich das Glück zu einigen Manuskripten Zugang zu haben, die 1998 erscheinen oder später in Buchform veröffentlicht werden sollen. Bei dem ersten handelt es sich um The Spirit of Homeopathic Medicines [Der Geist der homöopathischen Arzneien], geschrieben von dem französischen Homöopathen Dr. Didier Grandgeorge. Dieses geistreiche, präzise und intelligente Buch bietet andere und neue Einsichten, was zum besseren Verständnis bestimmter kleiner Arzneimittel beiträgt. Das zweite Werk mit dem Titel Three Pieces of Gold [Drei Goldstücke], von dem norwegischen Homöopathen Terje Wulfsberg liefert eine willkommene Vertiefung der Arzneimittelbilder der drei Goldsalze. Das dritte ist von dem belgischen Homöopathen René Smet geschrieben, und kam gerade rechtzeitig, um den NAHRUNG-Teil und das REPERTORIUM der NAHRUNGSMITTEL [Verlangen, Aversionen, Verschlimmerungen und Besserungen] zu vervollständigen. Das Buch hat den Titel Fundamental Food & Drink Symptomatology [Grundlegende Symptomatik der Ess- & Trinkgewohnheiten].
Verschiedene Leute haben mir Unterstützung geleistet.
Dr. Michel Zala aus Orléans, Frankreich, und Veronika Theis, Übersetzerin, danke für Eure gründlichen Korrekturen. Jetzt müssten alle ‘i-Pünktchen’ stimmen. Leila v.d. Heijden bin ich dankbar für die bereitwillige Hilfe, selbst wenn ich ohne Vorankündigung in letztem Moment anrief.
Im Text werden Symbole verwendet, um die Verwendung der Synoptischen Materia Medica 2 als Nachschlagewerk beim Studium oder in der Praxis zu erleichtern. Das Symbol ‘&’ weist auf ein Begleitsymptom hin. Das Zeichen ‘=’ indiziert einen verursachenden Faktor. Das Symbol ‘#’ bezieht sich auf den Wechsel von Symptomen.
Schließlich noch eine Bemerkung zu der Anwendung der homöopathischen Nomenklatur. Obgleich es in der deutschen Literatur Brauch ist, die Acidum-Mittel unter A aufzuführen, habe ich mich an die englische Schreibweise gehalten. Die verschiedenen Acidum-Mittel sind daher in alphabetischer Anordnung unter dem spezifischen Namen der Säure zu finden.
Ich hoffe, dass die Synoptische Materia Medica 2 zu einem tieferen Verständnis und breiteren Anwendungsmöglichkeiten der sogenannten ‘kleinen Mittel’ beitragen wird.
Frans Vermeulen, Avenhorn, 2. April 1998.
VORWORT
Arzneimittelbilder gibt es einzig in der Homöopathie. So scheint es zumindest. Die Natur steckt voller Phänomene. Sie sind beschrieben in der Chemie, Metallurgie, Botanik und Biologie. Die bildhafte Darstellung ist die typische Art des Menschen, zu seiner Umgebung und zur Natur eine Beziehung zu finden. Märchen, legenden und Mythen sind lebende Beweise dafür. Tiere, Pflanzen und Materie drücken sich durch beobachtbare Ereignisse aus. Bei der homöopathischen Arzneimittelprüfung ist es ebenso.
Die Matrix von Tier, Pflanze oder Mineral drückt sich durch den Menschen aus. Oft ist dies eine vorübergehende Erscheinung, aber manchmal ist dies bereits angeboren.
Einsichten in die von der Homöopathie verwendeten Substanzen lassen sich praktisch überall gewinnen. Ein Spezialist für Kühlmethoden hat mich etwas über Ammonium gelehrt, da dieser Stoff in der Kühltechnik häufig verwendet wird. Eine unserer Katzen war so freundlich mir zu zeigen, wie “Verlangen nach Papier” in die Praxis umgesetzt wird, indem sie immer wieder meine Morgenzeitung fraß, zum Glück nachdem ich sie gelesen hatte. Swan erwähnt diesen Drang bei Lac felinum. Das in diesem Arzneimittelbild dargestellte Mittel trifft so klar den Charakter und das Verhalten einer Katze, dass eine Arzneimittelprüfung beinahe überflüssig erscheint. Eine Katze wäscht sich so häufig, dass es den Eindruck erweckt, als habe auch sie “das Gefühl schmutzig zu sein”. Versuchen Sie einmal ihr eine neue Marke Katzennahrung anzubieten, und Sie sehen sofort, was “wählerisch beim Essen” bedeutet.
Um noch einen Augenblick bei den kulinarischen Eigenheiten zu bleiben, eine Zeitlang habe ich mit über das “Verlangen nach Schweinefleisch” bei Crotalus horridus Gedanken gemacht. Dann las ich, dass sie wenig Feinde in der Natur haben – abgesehen vom Menschen natürlich – mit Ausnahme des Wildschweins. Viele Klapperschlangen finden durch ein Wildschwein den Tod. Wie gut muss es da einer Klapperschlange tun, sich zu revanchieren, indem sie Schweinefleisch isst.
Unser Nachbar hat eine Weile in seiner Freizeit Bienen gezüchtet. Von ihm weiß ich, dass Bienen, wenn sie überhitzt werden, ausfliegen und nie in den Bienenstock zurückkehren. Bienen besitzen ein einzigartiges System, ihren Bienenstock zu kühlen, wenn Überhitzungsgefahr besteht. Der Bienenzüchter muss einen kühlen Kopf bewahren und auch den Bienenstock kühl halten. Andernfalls ist all sein Arbeitseifer vergeblich und fruchtlos.
Das Tierreich ist eine wahre Fundgrube für Naturphänomene. Dasselbe gilt für das Pflanzen- und Mineralreich. Die alten Griechen hatten keine Ahnung von Arzneimittelprüfungen, noch von dem Planeten Pluto, ganz zu schweigen von dem Element Plutonium; aber der Mythos von Pluto [Hades] und die astrologischen Informationen die wir besitzen, stimmen mit dem Verhalten dieses Elements in der Chemie überein. Dies führt zu dem Schluss, dass es vielerlei Arten gibt, Pluto auszudrücken, doch sie alle laufen auf dasselbe hinaus.
Das Element Antimon hat die seltsame Angewohnheit sich in einem Magnetfeld nicht konform zu verhalten. Wenn es zwischen die beiden Pole eines Hufeisenmagneten gelegt wird, liegt es nicht gerade zwischen den beiden Polen, sondern diagonal. Wenn das kein beispielhafter Starrsinn ist!
Geschmolzenes Silber nimmt gierig Sauerstoff aus der Luft auf – bis zu dem Zwanzigfachen seines Eigengewichtes. Diesen stößt es bei der Abkühlung mit lautem ‘Plop’ wieder aus. Der Homöopath weiß, dass der Argentum nitricum-Patient dazu neigt Luft entweichen zu lassen – und zwar ziemlich laut. Die Oberfläche von Silber, die in flüssigem Zustand so glatt und glänzend war, bildet bei der Härtung Vertiefungen wie Mondkrater, und zeigt dabei seine Verwandtschaft zu Luna, dem Mond.
Über die Pflanzen könnte ich endlos berichten. Das holländische Klima ist für viele Arten zu rauh, und der Garten zu klein für die raumfordernden Sorten. Pflanzen, die keinen Lehmboden vertragen, wachsen hier nicht. Wie gern würde ich meinen Garten mit den homöopathischen Vertretern des Pflanzenreiches bevölkern, um sie zu studieren, und einfach von ihnen umgeben zu sein.
Aconitum wächst praktisch überall. Die beste Saatzeit ist im Herbst so dass ihre Samen den Frost abbekommen. Seltsamerweise keimt Aconitum am besten nach einem Frost und blüht im Hochsommer. Eisige Kälte und extreme Hitze, verursachen bei dem Aconitum-Patienten eine Verschlimmerung.
Es ist kein Zufall, dass bei den Arzneimittelprüfungen von Sequoia und Ginkgo das “Gefühl alt zu sein” als Symptom auftrat. Beide sind uralte Bäume, Fossilien aus prähistorischer Zeit. Dasselbe gilt für Lycopodium, das allerdings heute in stark verringerter Größe vorkommt. Die einst so großen sind jetzt so klein. Lycopodium-Patienten leben immer noch in der Vergangenheit und tun so als besäßen sie imposante Größe.
Es gibt so viele Beispiele, doch für ein Vorwort sollen diese genügen.
Die erste Synoptische Materia Medica ist sehr gut aufgenommen worden, daher wurde ich um einen Folgeband gebeten. Ich habe eine Weile dafür gebraucht, doch nun ist er da. Diesmal haben wir uns die sogenannten ‘kleinen’ Arzneimittel angesehen. Es gibt eine ganze Reihe davon; alte und neue. Viele von ihnen haben nie die Erwähnung gefunden, die sie verdienen, sie scheinen vergessen worden zu sein. Viele neue Arzneimittel, sind in der jüngeren Vergangenheit hinzugekommen. Es ist schwierig mit dem Tempo Schritt zu halten, mit dem sie eingeführt werden, und sie haben das bereits verschwommene Bild, das wir von unseren homöopathischen Arzneimitteln haben, nicht geklärt. Die alten Arzneimittelprüfungen haben sich in der Methode der Durchführung als so gut erwiesen wie die neuen. Die Beschreibung von Nidus edulis beispielsweise ist ebenso ausführlich wie die von Scorpio. Dasselbe lässt sich über die Arzneimittelprüfungen von Griggs, Templeton, Raeside und Mezger sagen, um einige Namen aus vergangenen Jahrzehnten zu erwähnen
Homöopathen aus allen Teilen der Welt haben Arzneimittelprüfungen durchgeführt. Für die Synoptische Materia Medica II, habe ich englisch-, deutsch- und französischsprachige Literatur zu dem Thema recherchiert. Dabei habe ich deutschsprachige Arzneimittelprüfungen entdeckt, zu denen Homöopathen aus dem englischsprachigen Raum sonst nur schwer Zugang hätten. Die englischen Versionen waren stark verkürzt. Aus Österreich beispielsweise stammen einige ausgezeichnete Arzneimittelprüfungen von Vertretern der Umbelliferen
Auch sogenannte ‘alte und kleine’ Arzneimittel habe ich in mein Buch aufgenommen. Es wird gesagt, dass achtzig Prozent der Patienten von der Behandlung mit Polychresten profitieren. Ich möchte um mehr Differenziertheit bitten, denn dies scheint im Widerspruch zu stehen, was wir als das wichtigste Kriterium in der Homöopathie ansehen: Individualisierung. Bei meiner Nichte beispielsweise könnte sich herausstellen, dass sie einen bisher unbekannten Fisch braucht, der in großer Meerestiefe lebt, oder vielleicht eine alpine Pflanze, die unmittelbar unterhalb der Schneegrenze gedeiht, oder einen farbenprächtigen Giftfrosch aus dem Amazonasgebiet. [Letzteres würde mich nicht überraschen.]
Es gibt noch so viele Stoffe, die geprüft werden müssen. Dem Enthusiasmus nach zu urteilen, der in dieser Hinsicht zur Zeit herrscht, lässt sich innerhalb der nächsten zwanzig Jahre eine explosionsartige Zunahme der uns zur Verfügung stehenden Arzneimittel erwarten. Das muss auch so sein. Stagnation bedeutet Niedergang, wie wir von Sepia wissen. Aus diesem Grund enthält mein Buch sowohl alte als auch neue ‘kleine’ Mittel. Manche sind dazu prädestiniert, Polychreste zu werden. Andere können klein bleiben. Ganz gleich wie sie sich entwickeln, sie alle gehören in dieses Buch.
Ein Vorbehalt, der gegenüber manchen kleinen Mitteln geäußert wird, ist der, dass es zu wenig Prüfer gegeben hat. Es lässt sich nicht abstreiten, dass sich daraus ein Qualitätsunterschied ergibt. Nicht die Anzahl der Prüfer ist entscheidend, sondern ihre Empfindlichkeit und ihre Fähigkeit, ihre Empfindungen in Worte zu fassen. Bei manchen Prüfungen haben viele Leute teilgenommen, und doch haben die Ergebnisse und die Art der Äußerungen kein klares Bild ergeben. Die Personen, die die Prüfungsergebnisse niederschreiben, spielen eine Rolle, die nicht zu unterschätzen ist. Haben sie sich an den Originaltext gehalten – das gesprochene Wort – oder haben sie diesen nach eigenem Gutdünken modifiziert? Aus diesem Grund habe ich versucht, mich soweit wie möglich an den Originaltext zu halten. Daher enthält die Synoptische Materia Medica II so zahlreiche Zitate, was sich als Bereicherung und Vorteil erweisen könnte.
Oft treten die Feinheiten eines Arzneimittelbildes erst in Erscheinung, wenn es praktische Anwendung findet. Hahnemanns Arzneimittelprüfung von Kalium carbonicum hat nicht die Dinge gezeigt, die wir jetzt als die wichtigsten Symptome erachten: ‘Verschlimmerung von 2 - 4 Uhr.’ Die späteren Erfahrungen haben es zu dem Polychrest gemacht, das wir heute kennen. So haben sich die meisten Mittelbilder unserer heutigen Polychreste entwickelt. Die neuen kleinen Mittel können sich ebenso entwickeln. Wer weiß, was uns da noch erwartet? Wer kann heute sagen, welches Potential in ihnen steckt! Wir müssen anfangen sie zu gebrauchen, um das herauszufinden Schließlich hat Ignatia seine Karriere als ‘nützlich für überempfindliche Mädchen mit künstlerischen Neigungen’ begonnen, so Kent wörtlich.
Trotz zahlreicher Teilnahme ist zu beachten, dass manchmal nur ein Prüfer die spezifischen Symptome hervorbringt. Hier hat wieder Qualität den Vorrang vor Quantität. Die Chance jedoch, jemanden dabei zu haben der besonders empfindlich reagiert, steigt bei einer größeren Anzahl von Prüfern. Prüfunssymptome können durch Übersetzung die Bedeutung ändern, wie bei Asclepias tuberosa zum Beispiel das Symptom ‘Träume vom Fliegen.’ Dies ist Allens Übersetzung einer französischen Arzneimittelprüfung, bei deren Symptomen es um Duelle und Flucht ging. Allen übersetzte ‘fuite’ mit ‘flight’, das altmodische Wort für ‘fliehen’. Heute kennt man ‘flight’ nur noch in der Bedeutung ‘fliegen’, daher das Missverständnis in der heutigen Zeit, und so endete dieser Traum als ‘Traum vom Fliegen.’. Ein Homöopath, der sich selbst wegen Schmerzattacken in der linken Schulter behandelte und Träume vom Fliegen hatte, nahm Xanthoxyllum. Später erkannte er seinen Fehler und nahm Asclepias, das die Heilung brachte, oder war es nur ein Glückstreffer? Die Samen von Asclepias haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit Vögeln. Wortgetreue Wiedergabe der Ergebnisse ist äußerst wichtig
Dieses Buch entspricht in seiner Gestaltung im großen und Ganzen seinem Vorgänger. Für die korrekte Wiedergabe der Pflanzennamen musste ich mich auf eine Veröffentlichung der ‘Royal Botanical Gardens’ in Kew, England verlassen.
Auf den Arzneimittelnamen folgt der Abschnitt ZEICHEN, der Hintergrundinformationen zu dem Rohmaterial des Arzneimittels enthält. Nomenklatur, Mythologie, Astrologie und Volkstum wurden berücksichtigt, aber Chemie, Metallurgie, Mineralogie, Biologie und Botanik spielen eine Rolle. Teilweise ist der Text etwas signaturenartig, aber ich habe mich bemüht, nicht zu viele Rückschlüsse zu ziehen. Manchmal war die Versuchung jedoch zu groß, um den assoziativen Verbindungen zu widerstehen. Im Übrigen überlasse ich es dem Leser die Verbindung zwischen Naturphänomen und Arzneimittelbild herzustellen. So weit sich dies aufspüren ließ, habe ich den Namen der Prüfungsleiter, Anzahl der Prüfer und Herkunftsort aufgeführt.
Die in der Homöopathie verwendeten Pflanzen habe ich in einem Kapitel unter BOTANISCHE VERWANDTSCHAFTEN aufgeführt. Im Unterschied zu der gewohnten Auflistung nach Familien habe ich die Klassifizierung der Ordnung nach gewählt. Die Ordnung nimmt einen höheren Rang ein als die Pflanzenfamilien. Damit werden nicht nur die Verwandtschaften der Spezies, sondern auch Beziehungen zwischen Pflanzenfamilien hervorgehoben.
Im Abschnitt WIRKUNGSBEREICH erscheinen die Affinitäten des Arzneimittels.
Die zweite Synoptische Arzneimittellehre unterscheidet sich insofern von der ersten, als Modalitäten nicht getrennt aufgeführt sind. Die bemerkenswertesten Modalitäten habe ich unter A[llgemeinsymptome] im Abschnitt LEITSYMPTOME aufgenommen. In Fällen, in denen der Terminus ‘Leitsymptom’ gewichtiger erscheint als gerechtfertigt ist, habe ich den Begriff BESONDERHEITEN verwendet.
Darauf folgt VERGLEICHE, der Beginn einer Differentialdiagnose und Differenzierungen. Wenn nicht anders erwähnt, habe ich mich hier auf Voisin bezogen. Dies will ich in keiner Weise als vollständig verstanden wissen.
Die Arzneimittel, die aus zwei Komponenten zusammengesetzt sind, wurden durch Angaben der für beide Bestandteile typischen Symptome näher verdeutlicht. Nach ZEICHEN bilden LEITSYMPTOME den zweiten Hauptabschnitt. Wo ich dies für sinnvoll hielt, habe ich auf das Symptom ein Zitat folgen lassen. G = Gemütssymptome, A = Allgemeinsymptome, K = Körpersymptome sprechen für sich.
Bei den Allgemeinsymptomen habe ich mich an die folgende Anordnung gehalten:
* Disposition, Anwendung, Eignung, Begleitumstände
* Beschwerden durch
* Energie
* Wärme - Kälte
* Schweiß
* Appetit - Durst
* Essen und Trinken
* Schlaf
* Sexualität
* Verschlimmerung
* Besserung
* Schmerzen und Empfindungen
* Ausscheidungen und Absonderungen
* Sonstige, etwa Trockenheit, Drüsen, Hämorrhagie, Tempo
* Menstruation
* Schwindel
Der Überschaubarkeit halber wurden Verschlimmerungen, Besserungen und Begleitsymptome jeweils auf einer neuen Zeile angegeben.
RUBRIKEN ist der nächste Abschnitt. Er enthält Symptome aus dem Repertorium in einer Sprache, die meiner Meinung nach leichter lesbar ist als die umgestellten Sätze in den Repertorien. Der Oberbegriff ist kursiv gedruckt.
Als nächstes folgt NAHRUNG, wo Abneigung und Verlangen, Verschlimmerung und/oder Besserung durch Speisen und Getränke aufgeführt sind. Um eine so große Zahl kleiner Mittel zugänglich zu machen, habe ich ein kleines Repertorium der Nahrungsrubriken zusammengestellt. Damit hoffe ich, einen zusätzlichen Zugang geschaffen zu haben. Ähnlich bin ich mit den Vergleichen verfahren. Nach dem Schlagwort angeordnet sind diese in einem gesonderten Kapitel aufgeführt. Den Abschluss bildet ein Raum für NOTIZEN. Die Arzneimittel sind so klein und der Raum für Notizen so groß, dass dies übertrieben erscheint. Dennoch hoffe ich, dass diese Leerräume zuerst gefüllt werden. Ich hoffe auf Zusendung Ihrer Ergänzungen, Anmerkungen oder Kritik sowie sonstiger Informationen, denen Bemerkung geschenkt werden sollte und die andernfalls vielleicht nie an die Öffentlichkeit kämen. Ich werde sie mit Freuden in die nächste Auflage aufnehmen.
Die Ergebnisse der Arzneimittelprüfungen von Diamant, Brassica, Germanium, Neon, Taxus, Rhus Glabra und Iridium sind nicht soweit zusammengetragen worden, dass sie in diese Auflage aufgenommen werden konnten.
Es gibt so viele Menschen, denen ich danken möchte. Aus Angst, jemanden zu vergessen werde ich keine Namen gesondert erwähnen. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die ich erhalten habe. Sie haben mir Transkriptionen ihrer Arzneimittelprüfungen gesandt, ich hatte Zugang zu vielen Bibliotheken und bekam nützliche Buchvorschläge. So taten sich immer wieder neue Informationsquellen auf. Sie gaben mir zusätzlich Zeit, lasen und korrigierten das Manuskript.
Die Kühe und Schafe, die auf der Weide gegenüber meinem Fenster grasen bildeten eine natürliche Kulisse, und die gerade Reihe der Pappeln in der Ferne verschafften mir innere Ruhe.
Frans Vermeulen, Niederlande, Avenhorn, 2. April 1998.
Synoptische Materia Medica 2
Dieses Buch behandelt alte und neue Arzneimittel, solche die ‘klein’ sind oder noch unbekannt um ‘groß’ zu sein.
Die vorliegende Sammlung umfasst 348 Arzneimittelbilder.
Zur Zusammenstellung dieses Werkes hat Frans Vermeulen einige wohlbekannte Werke zu Rate gezogen, wie etwa Boericke, Boger, Blackwood, Clarke, Allen, Hering und viele andere.
Dank seiner Französisch- und Deutschkenntnisse war er in der Lage, wichtige Informationen aus den Werken von Mezger, Voisin, Julian, Charette, Köhler, Leeser, Dorcsi, Horveilleur, Madaus und Vrijland (holländisch) zu erschliessen. Das Quellenmaterial reicht sogar bis zu dem Buch des Russen S. Venetsky “Geschichten über Metalle”.
Bei seinen Recherchen berücksichtigt Frans außerdem zahlreiche Fachzeitschriften, darunter das verfügbare Material aus Reference Works, sowie eine lange Liste von Veröffentlichungen und Journalen aus homöopatischen Bibliotheken. Zur Ergänzung und weiteren Erhellung der Arzneimittelbilder hat er über fünfzig Werke über Planzen, Tiere und Mineralien zu Rate gezogen.
Die Textgestaltung der Synoptischen Materia Medica 2 ähnelt dem Layout der Synoptischen Materia Medica 1, mit den Unterschied, dass in dem vorliegenden Band zusätzliche Bereiche wie “Zeichen” (Hintergrundinformationen) und “Differenzierung” eingefügt sind. Modalitäten, Begleiter-scheinungen u.ä. erhielten systematisch eigene Zeilen, was der leichteren Lesbarkeit dient und das Buch benutzer-freundlich macht.
Dieses Buch wurde von Veronica Theis übersetzt, eine Garantie für bestmögliche Übersetzungsqualität.
Einige Reaktionen auf die Synoptische Materia Medica 2:
“Endlich eine homöopatische Arzneimittellehre, die spannende Lektüre ist.” (Jenny Tree, U.K.)
“Ein sehr schönes Buch, ich habe es bereits ins Herz geschlossen.” (Dr. Alain Horvilleur, Lyon)
“Ein wunderbares Stück Arbeit... Frans hat sich diesmal wirklich selbst übertroffen.... hiermit hat eine neue Ära für das Studium der Materia Medica begonnen... die Tiefgründigkeit des vermittelten Wissens ist einfach erstaunlich.” (Declan Hammond, Irland)
“Meine ersten Gedanken nach wenigen Seiten sind: “Du bist wie ein sehr guter Wein, der mit der Zeit und durch Lebenserfahrung besser wird. Ich freue mich auf zahllose schöne Stunden mit diesem Buch.” (Catherine Quinlivan, Irland)
“Ich habe dich verflucht. Ich war müde und wollte früh zu Bett gehen. Dann kam dein Buch an, und als ich es erst geöffnet hatte, konnte ich es bis um Mitternacht nicht aus der Hand legen. Ich bin tief beeindruckt von dem Reichtum deiner Synoptisch 2. Welch ein Segen für uns, dass du sie geschrieben hast.” (Dr. Michel Zala, Orleans)
Einführung zur deutschen Übersetzung
Infolge des geschichtlichen Werdeganges der Homöopathie hat sich im deutschen Sprachraum eine Terminologie eingebürgert, die sich durch nahezu alle Sprachebenen und mehrere historische Sprachperioden zieht. Laienhafte Übersetzungen der Fachliteratur vom Deutschen ins Englische und wieder zurück in die Muttersprache der Homöopathie im Laufe der vergangen 2 Jahrhunderte haben die ursprüngliche hahnemannsche Sprachpräzision abgeschliffen.
Im gegenwärtigen Jahrzehnt hat das Interesse an der Homöopathie um ein Vielfaches zugenommen, was sich u.a. in einer neuen Vielfalt an homöopathischer Fachliteratur niederschlägt. Sowohl zur Verständigung innerhalb der Homöopathie als auch mit anderen Disziplinen ist es daher an der Zeit, die homöopathische Fachsprache zu aktualisieren und zu korrigieren. Die vorliegende Übersetzung der Synoptic Materia Medica II stellt einen Beitrag zur ‘Heilung’ der Homöopathiesprache dar.
Die zum Teil neu eingeführten Fachbegriffe sind keineswegs willkürliche Wortschöpfungen der Übersetzerin, sondern haben sich durch mehrjährige und gründliche Beschäftigung mit der Thematik vom linguistischen Gesichtspunkt aus herauskristallisiert. Die meisten Begriffe werden dem Leser aus dem Kontext heraus verständlich und vermutlich auch ‘einleuchten’, daher sollen hier einige Beispiele zur Einführung genügen.
Einige Missverständnisse und Verwechslungen in der Fachliteratur kommen im Zusammenhang mit den Begriffen ‘dullness’ und ‘stupefaction’ vor. So ist beispielsweise das Prüfungssymptom ‘Benommenheit’ aus den Arzneimittelprüfungen von Ozon und Bambusa als ‘dullness’ in das englische Repertorium eingegangen, was eigentlich unter ‘stupefaction’ gehört hätte. ‘Dullness’ war bei Hahnemann ursprünglich ‘Düsterheit’, während ‘Eingenommenheit des Kopfes’ von Dudgeon mit ‘confusion’ übersetzt worden ist. Wenn ich davon ausgehen kann, dass Hahnemanns ‘Eingenommenheit’ [im Grimmschen Wörterbuch kommt dieser Begriff nicht vor] der heutigen ‘Benommenheit’ entspricht, so interpretiere ich dies als eine Vorstufe zu ‘Verwirrung’ [=confusion]. ‘Dullness’ ist eine Verlangsamung der geistigen Funktionen, bei Künzli heißt es ‘Trägheit’. Da nun ‘Trägheit’ wiederum leicht mit ‘Indolenz’ zu verwechseln ist, hat mich dieser Vorschlag auch nicht zufriedengestellt. Von dem ursprünglichen Begriff der geistigen ‘Düsterheit’ ausgehend bin ich somit auf den Begriff ‘Geistestrübung’ gestoßen. Antonyme von ‘dull’ [= stumpf, trübe] sind ‘scharf, klar’, und ‘dullness’ ist ein Gegensatz zu geistiger Klarheit und Schärfe.
Das englische ‘aching’ wurde wortgetreu als ‘unbestimmte anhaltende Schmerzen’ übersetzt. Hier hat bereits frühzeitig Dudgeons Übersetzung von Hahnemanns Texten Verwirrung gestiftet; Dudgeon hat ‘drückende Schmerzen’ bei Hahnemann vielfach mit ‘aching’ übersetzt. Der korrekte und entsprechende deutsche Begriff wäre ‘Weh’, was als Möglichkeit durchaus zu erwägen wäre.
Die Übersetzung des englischen Begriffes ‘delusion’ mit der vielkritisierten ‘Wahnidee’, erscheint nicht länger zufriedenstellend. Dies liegt vor allem auch daran, dass sich die heutige Konnotation dieses homöopathischen Fachterminus stark erweitert hat. Auch jede andere der in Frage kommenden Übersetzungsmöglichkeiten im Deutschen [Täuschung, Sinnestäuschung, Einbildung, Trugbild, Wahnvorstellung, Illusion, Halluzination, Idee...] können nur sehr unzulänglich das gesamte Bedeutungsspektrum im ursprünglichen sowie im heutigen modernen Verständnis erfassen. Daher habe ich mich entschlossen, als Fachbegriff im Deutschen auf das lateinische Wort zurückzugreifen und ‘Delusion’ [lat. deludere-zum Besten halten, täuschen] als Übersetzung des gleichlautenden englischen Terminus einzuführen. [Definition: subjektive Idee, Fehleinschätzung, Projektion beruhend auf früheren Erfahrungen od. Erlebnissen; der objektiven Realität widersprechende Überzeugung, Täuschung, Wahnidee.]
Analog zu ‘Delusion’ werden Sie feststellen, dass ich in mehreren Fällen, insbesondere im Gemütsbereich, den lateinischen Begriff dem deutschen vorgezogen habe, insbesondere dann, wenn dieser dem Terminus entspricht, der sich in der englischen Homöopathiesprache eingebürgert hat [z.B. ‘Rage’ für ‘rage’], und zwar aus zwei Gründen: Erstens sind Termini lateinischen Ursprungs in der medizinischen Fachsprache üblich, und zweitens werden gemeinsame Termini im Englischen und Deutschen helfen, Missverständnisse beim simultanen Gebrauch beider Sprachen zu vermeiden.
Veronika Theis – Übersetzerdiplom der Johannes Gutenberg Universität Mainz, D, Homöopathiediplom der School of Homoeopathy Devon, GB, seit 1992 hauptberuflich als Übersetzerin & Dolmetscherin für homöopathische Literatur & Seminare für mehrere Verlage und Organisationen in Deutschland, Holland, Österreich und der Schweiz tätig.
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