Vermeulen, Frans - Neue Synoptische Materia Medica 1
Einführung
Die Originalausgabe der Synoptischen Materia Medica ging 1992 mit einem Lichtstrahl auf, der das damals herrschende Dunkel der gängigen Arzneimittellehrenlektüre durchbrach. Bis zu dem Zeitpunkt waren Homöopathie-studenten und praktizierende Homöopathen gleichermaßen mit dem Dickicht der Homöopathiesprache des 19. Jahrhunderts konfrontiert, wenn sie ihre Heilkunst im späten 20. Jahrhunderts verstehen und ausüben wollten.
Die Synoptische Materia Medica erhellte diesen düsteren Halbschatten mit einem Hoffnungsschimmer, was der silberne Einband sinnbildlich erfasst.
Das Buch war ursprünglich aus dem Bedürfnis Frans Vermeulens erwachsen, die schier unüberschaubaren Mengen homöopathischer Daten für seine Homöopathiestudenten in den Niederlanden, Finnland und Irland in einfache, leicht zugängliche Arzneimittelbilder zusammenzufassen. Mit dem Erstellen kohärenter Bilder aus bruchstückhaften und häufig widersprüchlichen Informationen hatte er sich eine unerwartet schwierige Aufgabe gestellt. Doch der Mann ist eine Koryphäe, und das Vorhaben wurde zu einer regelrechten Mission. Das Ergebnis kommt nun unseren Patienten und uns als praktizierenden Homöopathen zugute.
Nach 9 Neuauflagen innerhalb von 12 Jahren war eine Überarbeitung des silbernen Buches erforderlich. Die Neue Synoptische Materia Medica 1 war geboren, etwa 200 Seiten umfangreicher, ihrer Vorläuferin äußerlich sehr ähnlich doch gereifter. Die Arzneimittel sind dieselben, hinzugekommen ist Bambusa. Die Rubriken wurden aus Radar, MacRepertory und Cara/ Isis Computerprogrammen erstellt.
In diesem überarbeiteten Buch hat Frans Vermeulen es sich wie immer zum Ziel gesetzt, Homöopathen eine klare, prägnante Arzneimittellehre zu liefern, die als praktisches Nachschlagewerk verwendet werden kann und alle charakteristischen Schlüsselsymptome, Wesenszüge und Kernaspekte der gewählten Mittel enthält. Er hat die verfügbaren Informationen und Quellen in so wenig präzisen Worten wie möglich maximiert. Diese Synthese ist eine Konzentration von Informationen aus zahlreichen Quellen – aus der alten und modernen Literatur, einschließlich des Materials aus Pierre Schmidts umfangreicher Bibliothek, die wir zu viert eine Woche lang durchgekämmt haben. Zum Verständnis der Arbeiten der modernen Autoren soll der Leser jedoch ermutigt werden, deren Gedankengängen in ihren eigenen Büchern und Vorlesungen zu verfolgen.
Wir leben in einer Zeit, in der in der Homöopathie spannende Fortschritte gemacht werden. Frans übersetzt, korrigiert und kategorisiert Informationen dergestalt, dass sie leichter zugänglich und verständlich werden. Dies hatte 21 Seiten von Repertoriumsergänzungen zur Folge, welche in diesem Buch vollständig enthalten sind. Es gibt zahlreiche neue Denkanstöße hinsichtlich der Relevanz der Tier-, Pflanzen und Mineralreiche und der Miasmen. Rajan Sankaran hat die Idee einer zentralen Empfindung bei Pflanzenmitteln eingeführt. Mit Jan Scholtens Arbeit zum Periodensystem sind wir vertraut. Massimo Mangialavori hat die Idee der Arzneimittelfamilien aufgegriffen und das von früheren Generationen begonnene Werk kühn weiterentwickelt.
Viele Ideen zeitgenössischer Homöopathen sind in diesem Buch vertreten, wodurch es als Werkzeug auf dem neuesten Stand unseres derzeitigen Wissens aktuell ist.
Die einzelnen Arzneimittelbilder sind nach folgendem Schema angeordnet:
- In der oberen Ecke ist die Mittelabkürzung angezeigt, die in Kents Repertorium verwendet wird.
- Auf den Namen des Arzneimittels folgt ein passendes Zitat. Dies verhilft Lesern zum Verständnis dessen, wie Frans das Mittel wahrnimmt und stellt eine Verbindung zur Außenwelt her.
- Der lateinische Name, Pflanzenfamilie und umgangssprachliche Namen sind angegeben. Dies hilft bei der Identifizierung der Familie, besonders wenn man in der Fallanalyse die Empfindungen von Pflanzenfamilien nach Sankaran oder Scholten verwendet. Die Namen aus dem Volksmund geben oft einen Hinweis auf die Signaturenlehre.
- Die Organbeziehungen des Mittels sind unter AFFINITÄT angegeben, der * gibt die Körperseite an, wie sie im Synthetischen Repertorium verzeichnet ist. Die Affinitäten, aus Bogers Synoptic Key of the Materia Medica, sind aufgenommen worden, weil sie bei der Differentialdiagnose entscheidend sein können.
- Unter MODALITÄTEN sind verschlimmernde und bessernde Umstände aufgeführt. Diese stammen ebenfalls von Boger. Seine Einstufung der Symptome stimmt nicht immer mit dem Repertorium überein, doch die Beziehung der Abstufungen untereinander vermittelt einen guten Eindruck von den Modalitäten des betreffenden Arzneimittels. Allgemein lassen sich Modalitäten dritten Grades als Allgemeinsymptome bezeichnen; dies gilt auch für Modalitäten zweiten Grades [wenn auch in geringerem Ausmaß]. Modalitäten ersten Grades beziehen sich in der Regel auf die Besserung bzw. Verschlimmerung örtlicher Symptome.
- Der Abschnitt HAUPTSYMPTOME bedarf keiner ausführlichen Erläuterung. Es ist eine Synthese der Informationen und Kenntnisse moderner Homöopathen wie auch der Kollegen zu Lebzeiten Kents. Die Quellen sind sofern dies notwendig war angegeben. Die Verwendung von Großbuchstaben bezieht sich nicht auf die Einstufung der Symptome, sondern sollen die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass diese Symptome im Gesamtbild des Mittels eine wichtige Stelle einnehmen.
- Zumal das Simillimum primär anhand der Gemüts- und Allgemeinsymptome gewählt wird, ist den lokalen Symptomen weniger Aufmerksamkeit geschenkt worden, es sei denn es handelt sich um Arzneimittel, bei denen wenig zu dem Gemütsbild bekannt ist. In diesen Fällen sind die örtlichen Symptome so vollständig wie möglich angegeben, d.h. einschließlich Begleitsymptome, Modalitäten und Ätiologie, sofern diese bekannt ist. Dieses Prinzip wurde auch für die Polychreste angewandt.
- Die RUBRIKEN. Die Einstufungszahlen aus früheren Ausgaben der Synoptischen Materia Medica sind der besseren Lesbarkeit halber entfernt worden. Die Einstufung lässt sich durch eine Suche im Repertorium nachprüfen. Das führende Suchwort des Symptoms ist jeweils kursiv gedruckt. Z.B. „Geistige Aktivität im Wechsel mit Geistestrübung" findet man unter Gemüt: Aktivität, geistige… Ein Semikolon weist auf eine Unterrubrik des vorhergehenden Symptoms hin.
- NAHRUNG. Lebensmittelverlangen und Abneigungen sind der Einstufung nach aufgeführt; somit sind die wichtigsten beim Lesen auf einen Blick erkennbar.
- Jedes Arzneimittelbild hat einen WESENSKERN. Dieser basiert auf der umfassenden Erfahrung von Frans Vermeulen. Man mag diese Information je nach eigenem Verständnis oder Erfahrungen abwandeln oder ergänzen – zu diesem Zweck wurde Platz für eigene wertvolle Anmerkungen gelassen.
- Die Mineralmittel enthalten eine Zusammenfassung der Essenz der REIHEN und STADIEN wie Jan Scholten sie versteht. Lesen Sie mehr dazu in seinen Büchern, insbesondere in Homöopathie und die Elemente.
- Die Ideen von Rajan Sankaran und seiner internationalen Studentenschaft sind in EMPFINDUNGEN und MIASMA der Pflanzenmittel aufgenommen. Dies sollte als im Entwicklungsprozess befindliche Arbeit verstanden werden. Nähere Erklärungen zu diesem System finden sich in seinem Buch Einblicke ins Pflanzenreich.
- Informationen zu verschiedenen Mitgliedern des Tierreichs stammen aus Jenni Trees Forschung und Vorlesungen in Leuven und Helsinki.
AUSSERDEM ENTHÄLT DIESES BUCH:
- Eine vollständige Bibliographie.
- Index der Arzneimittel in der Synoptischen Materia Medica Band 2, um das Nachschlagen zu erleichtern.
Mit dieser Arzneimittellehre hat Frans Vermeulen es sich zum Ziel gesetzt, das ungeheuer umfangreiche Informationsmaterial in der Homöopathie zu strukturieren und ein praktisches wie aufschlussreiches Nachschlagewerk zu erstellen. Wir hoffen, dass es Ihnen bei der Suche nach dem Simillimum für Ihre Patienten gute Dienste erweisen wird.
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